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KD vom 27. Januar 2009
Marianne Boskamp will Hohenlockstedter Standort festigen
Aufatmen bei den Gemeindevertretern
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Bevor die zweite Hälfte der Gemeindevertreter und die wenigen interessierten Bürger vom Rundgang beim Pharmaziehersteller Pohl-Boskamp in die großzügige Cafeteria zurückkehrten, teilte Firmenchefin Marianne Boskamp dem Hohenlockstedter Bürgermeister Bernhard Diedrichsen mit, dass sie ihren Firmensitz in Hohenlockstedt festigen will.

Eine konkrete Überlegung wurde gänzlich fallen gelassen, alle Betriebsteile aus dem Kreis Steinburg abzuziehen. Beinahe hätte der Kreis Pinneberg am Standort Elmshorn mit dem Wegzug aus Hohenlockstedt eine mittelständische Bereicherung erhalten. Kaum ausgesprochen, konnte man nicht nur das Raunen aller Anwesenden hören, sondern für diese Entscheidung einen lang anhaltenden Beifall vernehmen.

Von dieser erfreulichen Nachricht konnte keiner vor der anberaumten Betriebsbesichtigung etwas wissen, zu der die Gemeindevertreter eingeladen worden sind. Bereits vor zwei Jahren trafen sich die Volksvertreter in der Firma Pohl-Boskamp in der Kieler Straße, um sich zu informieren.

Nunmehr ließ sich der Vorsitzende des Finanzausschusses Udo Bujack die Gelegenheit nicht nehmen, die Haushaltsberatungen in das Betriebsgebäude zu verlegen und die Besichtigung mit der turnusmäßigen Zusammenkunft zu verknüpfen. Lediglich eine kleine Zeitungsnotiz in der Norddeutschen Rundschau wies auf die gestrige Versammlung hin. Lediglich wenige interessierte Bürger kamen, um die öffentliche Sitzung zu verfolgen. Dabei hatten sie wie die Gemeindevertreter die Gelegenheit, die Geheimnisse des hiesigen Pharmazeuten kennen zu lernen.

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Vor der Firma Pohl-Boskamp treffen sich  die Gäste

Spannend wurde es, als die Gäste in einen Umkleideraum geführt wurden. Denn um die klinisch sauberen Produktionsstraßen besichtigen zu können, mussten weiße Einweganzüge über die Kleidung gestreift werden. Ebenso wurden die Schuhe in blaue Plastikhüllen versehen. Komplettiert wurde das Ganze mit einer Kopfbedeckung, um den Haarschopf gänzlich zu verstecken.

Selbst Bartträger erhielten zusätzlich einen Mundschutz, um zu verhindern, dass herabfallende Bartstoppeln oder -haare die hygenisch sauberen Produktionsräume verunreinigen können. Nach dem Umziehen mussten noch gründlich die Hände gewaschen und desinfiziert werden, um über eine Schleuse in die Abfüll- und Verpackungsräume zu gelangen.

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oben: bei Anlegen der Schutzkleidung

unten: auf dem Weg von der Schleuse zur Produktionsstätte

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Dr. Sven Denga aus dem Forschungs- und Kontrolllabor führte die erste Gruppe in den Reinraum, in dem in einer Fertigungsstraße Sprayflaschen verfüllt, verschlossen, ettikettiert und verpackt werden. Alles läuft vollautomatisch ab, ohne dass ein Arbeitsgang händisch unterstützt wird.

Nach den einzelnen Arbeitsgängen werden ständig alle einzelnen Sprayflaschen kontrolliert. Sollte ein Produkt nicht den enggefassten Vorgaben ohne große Toleranzschwankungen entsprechen, wird es automatisch vom laufenden Band gestoßen.  Bei medizinischen Produkten ist der Qualitätsstandard äußerst hoch.

“Bei der Überwachung ist der Mitarbeiter unersetzlich”, betonte Dr. Denga und wies daraufhin, dass sowohl die vollautomatische Produktionsstraße, aber auch jede einzelne Glasflasche vom menschlichen Auge überwacht wird.

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oben: Bei der Abfüllstation innerhalb der Produktionsstraße

unten: Bürgermeister Bernhard Diedrichsen ist fasziniert von den vollautomatischen Arbeitsgängen

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Während des Rundganges betonte der Chemiker Dr. Denga, dass die Betriebsbesichtigungen zukünftig anders verlaufen werden. In einer neuen Halle wird extra für Besucher eine abgetrennte Besichtigungszeile hinter Glas installiert, damit seine Informationen nicht durch den Lärm von laufenden Transportbändern gestört werden. “Dann können auch die einzelnen Fragen der Besucher besser beantwortet werden”, sagte Dr. Denga und fügte hinzu, dass Mitarbeiter in der Produktion nicht so abgelenkt werden, wenn die Besucher erscheinen.

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Zukünftig werden die Besucher wie hier die Produktion nur noch hinter Glas sehen können

Nach gut einer halben Stunde beeindruckender Besichtigungstour kehrten die Besucher über die Schleuse zurück in die Cafeteria, in der die Firmenchefin Marianne Boskamp die Gäste empfang.

Hinsichtlich der expansiven Entwicklung am Standort Hohenlockstedt und an der zweiten Produktionsstätte in der Gemeinde Dägeling teilte Marianne Boskamp Einzelheiten mit. Neben den beiden Dauerbrennern gehen die laboranten Versuche weiter, um neue Produkte zu entwickeln und vorhandene Produkte in den Anwendungsmöglichkeiten zu verfeinern.

Momentan stehe ein Herzmuskel entspannende Mittel auf dem Prüfstand, das bisher äußerst erfolgreich für so genannte “Glattmuskelbereiche” Anwendung findet. Das menschliche Herz besteht aus diesem besonderen Muskelgewebe, dass durch die Chemikale “Nitroglycerin” positiv beeinflusst werden kann. Mit dem Spray oder in Kapselform nimmt der Körper die ölhaltige Glycerinemulsion über den Gaumen und Rachenbereich auf.  Schnell kann das Mittel über die Schleimhaut und Atemwege über das Blut in den Herzbereich transportiert werden, um bei Beschwerden für eine direkte Linderung von Krampf- und Verhärtungserscheinungen zu sorgen.

“Bei anderen [kreuzenden] Muskelgeweben wurde bisher nicht eindeutig nachgewiesen, dass diese Nitroglycerinverbindung eine ähnliche Wirkung habe”, sagte Dr. Denga zu den wissenschaftlichen Erkenntnissen und ergänzte, dass die Firma Pohl-Boskamp auf dem Forschungssektor vor einem entscheidenden Durchbruch stehe. Bei einer geringfügigen Veränderung der Glycerinbausteine könnte eine Substanz entstehen, die bei allen menschlichen Muskeln wirken kann. “Man sei auf dem besten Wege”, so Marianne Boskamp.

Neben den bekannten Erfolgsprodukten wie GeloMyrtol kann die Firma Pohl & Boskamp auf weitere Spezialerzeugnisse verweisen, die in kleiner Stückzahl produziert werden. Ganz stolz ist die Firmenchefin auf eine weitere Entwicklung ihres Hauses.

“Wir wollen Platz 1 auf dem Läusemarkt erklimmen”, sagte sie und verwies auf die neuste Entwicklung “Nyda” zur Bekämpfung von Kopflausbefall. “Ohne Lindan wie bei den herkömmlichen Mitteln”, sagte Marianne Boskamp und wies daraufhin, dass diese toxische Mittel mit Lindan bald nicht mehr erlaubt seien.

Mit der zwei Kompenentenflüssigkeit von Pohl-Boskamp wird beispielsweise der befallende Haarschopf eingerieben. Die ölhaltigen Substanzen schleichen sich in die Atemorgane der Läuse ein, von denen sich das eine dünnflüssige Öl schnell verflüchtigt und das zweite schlagartig das Atemsystem der Läuse verstopft.  Dadurch wird auf schnellem Wege der Befall schonend und ohne weitere chemische Behandlung des menschlichen Körpers beseitigt.

Die Gemeindevertreter waren von der expansiven Firmendarstellung hin- und hergerissen. Besonders freut sich der Kämmerer, der zu berichten weiß, dass dieser mittelständische Betrieb große Beträge in die Gemeindekasse spüle. Wenn Marianne Boskamp mit ihrem Team nun den Standort Hohenlockstedt festigen will, ist das eine Stärkung der Gemeinde und bedeutet zugleich eine große Arbeitsplatzgarantie für unsere Region. 

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Marianne Boskamp verkündet ihre Standortentscheidung

 

 

 

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