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KD vom 6. Dezember 2008
Wird Wirtschaftsethik von Heuschrecken aufgefressen?

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Spott-, Hetz- und Lästersongs sind das Image der Gruppe “Gutzeit” aus Hamburg. Anlässlich der Firmenbesetzung in Hohenlockstedt und der gestrigen Demonstration in Wedel hatte die IG Metall die vier Musiker angeheuert, um etwas Farbe in den tristen Arbeitskampf zu bringen. Denn zu Zeit bewegt sich nichts.

Mit einem Trommelwirbel rüttelte der lange Einpeitscher von “Gutzeit” die gefrusteten Arbeitnehmer am gestrigen Nachmittag wach, als alles einzuschlafen drohte.

Viele Redner hatten bereits auf der Kundgebung vor dem Werksgelände der Firma N.I.E.R. in der Deutsch-Ordens-Straße ihr Missfallen über die Unternehmenspolitik  der Vollmann-Gruppe gehalten. Einige hatten zusätzlich die Hoffnung hochgehalten, dass mindestens die von Arbeitslosigkeit bedrohten Beschäftigten in eine zu bildende Transfergesellschaft übernommen werden.

Für diese Forderung hatten Beschäftigte der Frühschicht die Werkhallen besetzt. Auch alle anderen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer trafen sich am Freitagmorgen auf  dem Betriebsgelände N.I.E.R., dessen Tore mit starken Ketten und großen Schlössern verriegelt waren. Als Warnung brannten in den Einfahrten symbolische HWU-Tonnen. Transparente dokumentierten, dass keiner der Beschäftigten aufgeben will.

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Einfahrtstore sind mit Ketten und Schlössern verriegelt


Ein großer Teil der Besetzer fuhr dann in den Vormittagsstunden zur renommierten Medizintechnikfirma Möller nach Wedel. Dort streiken deren Mitarbeiter für die Übernahme des   gültigen Flächentarifvertrages, den die IG Metall mit dem Arbeitgeberverband ausgehandelt hatte. Die neuen Schweizer Eigentümer sperren sich in Wedel, den Tarifvertrag zu übernehmen und fühlen sich nach dem Austritt aus dem Arbeitgeberverband nicht verpflichtet, diese Vereinbarungen auf die eigenen Mitarbeiter zu übertragen.

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Gemeinsame Demonstration der Beschäftigten auf dem Marktplatz in Wedel


So wie vor einiger Zeit die Vollmann-Gruppe wollen auch die Schweizer mit eigenen Betriebsvereinbarungen die Lohnkosten drücken, um noch größere Bilanzgewinne zu erzielen.  “Nach Manier der internationalen Hedgefonds soll auf Rücken der Beschäftigten und nötigenfalls auf Kosten der Steuerzahler sowie Arbeitsagenturen abkassiert werden”, sagte ein Demonstrationsteilnehmer aus Hohenlockstedt und wies daraufhin, dass die Wirtschaftsethik mit Füßen getreten werde. “Man befände sich fast wie im Klassenkampf des 19. und 20. Jahrhunderts.”

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Bevollmächtigter Uwe Zabel von der IG Metall spricht in Wedel zu den Streikenden